Die neue Chronik

 

storfSchon in der Vorgeschichte unserer Heimat gab es Brände und Naturkatastrophen, die Hab und Gut der Menschen bedrohten und teilweise zerstörten. Es fehlte einfach an geeigneten Mitteln, diese zu bekämpfen. Auch die Bauweise der damaligen Zeit brachte mit sich, denn als Baumaterial wurde vielfach Holz verwendet.

Das ständige Auftreten solcher Brände zwang die Behörden, Maßnahmen zur Verhütung zu ergreifen. Aus dieser Sicht heraus entstand im Jahre 1835 die älteste uns bekannte Feuerlöschordnung für die Stadt St. Andrä. Diese individuelle Bestimmung umfasste 9 Kapitel (Abteilungen) und galt für jeden Bürger, Hausinhaber und Inwohner der k. k. Kameral-Stadt St. Andrä bei einer entstehenden Feuersbrunst.

Die geeignetsten Löschgeräte waren Wassereimer, Feuerleitern, Feuerhaken, wobei die „Eimerkette“ die einzig beste Form der Brandbekämpfung darstellte.

Erst die Gründung organisierter Feuerwehren und die Entwicklung technischer Hilfs- mittel ermöglichten eine wirksame Brandbekämpfung. Trotz dieser Vorschriften nah- men Brände meist ein verheerendes Ausmaß an.

Unter der Führung von Franz Sebastian Storf und seinem Schwager Franz Gauster fand am 29. Juni 1872 die Gründungsfeier statt und der „Verein der Freiwilligen Feuer- wehr“ wurde ins Leben gerufen und damit ein organisierter Feuerschutz geschaffen.

feuerwehrpass1Die erste Probe der Spritze, die von Herrn J. A. Jank in Leipzig samt den Schläuchen gekauft wurde, fand am Schütschen Teiche statt.unt

Ein Bittgesuch an Kaiser Franz Josef I. um Un- terstützung zur dringend notwendigen Anschaf- fung einer Saugspritze, eines Hilfsapparates mit Schläuchen und anderer unentbehrlicher Löschutensilien wurde mit 200 Gulden belohnt. Außerdem veranstaltete damals die Feuerwehr Volksfeste und Effekten-Lotterien, deren Erlö- se zur Anschaffung von Löschgeräten dienten. Von einem solchen Fest lesen wir in der Chronik:

Am 26. Juli 1876 wurde eine Effektenlotterie ausgespielt. Verbunden war diese Feier mit einem Nachmittags- ausflug zum Koglbauer nach Langen. Dort wurde auf Antrag des Steigerobmannes Karl Westner aus Wolfs- berg die Langen-Höhe in „Feuerwehr-Höhe“ umbenannt, seither hat der schöne Aussichtspunkt seinen Namen. Die damals noch junge Feuerwehr war schon gut ausgebildet daher auch zu Hilfeleistungen in die Nachbarorte St. Marein, Wolfsberg und St. Paul gerufen worden.

chronik5Am 27. Mai 1886 brach im Wirtschaftsgebäude des Hauses Nr. 15 beim Sternwirth, der sog. Pfleg, ein Brand aus, der schnell um sich griff und 38 Wohn- häuser, und zwar die Hausnummern 3, 4, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 15, 23a, 23b, 23c, 24, 33, 34, 35, 39, 40, 41, 42, 46, 47, 48, 49, 50, 52, 56a, 56b, 57, 58, 59, 60, 61, 76, dann in der Blaike die Hausnr. 15, 16, sowie 18 Wirtschaftsgebäude einäscherte. Das Haus Nr. 51 soll mit Most gelöscht worden sein und blieb von der Feuersbrunst verschont. Der Heilige Florian an Gebäuden erinnert an den Brand.

Der 26. Mai 1917 war ein denkwürdig schwerer Tag für die Feuerwehr. Das Wirtschaftsgebäude beim vlg. Remsnegger fing aus unbekannter Ursache Feuer und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Neun Soldaten der dort stationierten Artillerieeinheit und der Feuerwehrmann Balthasar Fraß wurden durch herabfallendes Gebälk getötet. Ein Gedenkstein für diese Verunglückten befindet sich am Ortsfriedhof von St. Andrä und wird von der Feuerwehr gepflegt.

Aus dem Reinertrag eines am 19. August 1923 durchgeführten großen Volksfestes und einer Effekten-
lotterie wurde am 9. November 1924 die erste von Pferden gezogene Motorspritze von Hauptmann Viktor H Zill bestellt und am 26. Dezember 1924 unter Klängen der Musik der Einzug ins Spritzenhaus gefeiert.Durch den Fortschritt der Technik konnte im Jahre 1936 eine tragbare Motorpumpe bei der Firma Rosen- R bauer bestellt werden. Man war natürlich bemüht, so schnell wie möglich am Brandort zu sein, und dazu
war die Anschaffung eines Feuerwehrautos notwendig. Gekauft wurde ein gebrauchtes Auto der Type
Daimler, das zu einem Einsatzfahrzeug umgebaut wurde und bis nach dem Krieg in Verwendung stand. In O den Kriegsjahren musste die Freiwillige Feuerwehr St. Andrä sogar nach Klagenfurt zu Hilfeleistungen bei Bombenangriffen ausrücken.

Vorrangig für die Feuerwehr nach dem Krieg war die Errichtung eines neuen Rüsthauses. Bei der Neuwahl KI am 16. September 1946 wurde der zu diesem Zeitpunkt amtierende Kommandant Viktor Zill – er war seit dem
Jahre 1922 Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr St. Andrä, also 24 Jahre lang von Franz Unterkircher ab-
gelöst. Ein Bauausschuss wurde gebildet, Grundstücksverhandlungen aufgenommen und Kostenvoran-

schläge eingeholt. Schon zu Beginn des Jahres 1947 war es dann soweit, dass mit dem Bau begonnen werden konnte. Das benötigte Grundstück wurde vom ehemaligen Hauptmann Raimund Mlatschnig kostenlos zur Verfügung gestellt.

nfolge Geldmangels konnte der Bau nicht dem Baumeister vergeben werden, sondern man versuchte vor- wiegend durch Eigenleistungen der Feuerwehrkameraden den Neubau zu errichten. Viele Besitzer stellten ihre Fuhrwerke für die Zu- und Abfuhr von Materialien kostenlos bei. Da nur in der Freizeit der Kameraden gearbeitet wurde, ging der Baufortschritt nur sehr langsam weiter. Immerhin dauerte es bis 15. Mai 1950, um ins neue Rüsthaus einziehen zu können. Am 2. Juni des gleichen Jahres konnte die Einweihung durch Bürgermeister Anton Meyer vorgenommen werden, der zuvor Bürgermeister Unterkircher ablöste.

chonik4In der Nachkriegszeit wurden aus Wehrmachtsbeständen zwei Wagen zu Rüstfahrzeugen um- bzw. ausge- baut: ein Tanklöschfahrzeug der Type Bedford, Baujahr 1940 mit 1000 l Inhalt und ein Steyr 1500 A V8 Allrad als Mannschaftsfahrzeug.

antonmeyersenUnter Kommandant Poppmeier nahm die Ausrüstung der Wehr mit modernen Geräten ihren Anfang. So gelang es Kommandant Poppmeier im Jahre 1960, erstmals ein fabrikneues, genormtes Kleinlöschfahrzeug, einen Ford FK 1250 mit 55 PS anzuschaffen. Er führte die Freiwillige Feuerwehr St. Andrä seit 1950 und war Kommandant bis 1964. Aus Altersgründen hatte sich Poppmeier einer Wiederwahl nicht mehr gestellt.

Bei der Wahl im Jahre 1964 wurde Anton Meyer zum neuen Feuerwehrkommandant der Freiwilligen Feuer- wehr St. Andrä gewählt. Mit ihm begann in der Wehr ein Umdenken in der Ausbildung, der Brandbekämp- fung sowie Erarbeitung von Methoden zu Hilfeleistungen jeglicher Art, insbesondere bei Verkehrsunfällen.

Kommmandant Anton Meyer hatte diese Aufgaben weitblickend erkannt und durch seine Tatkraft und seinen Einsatzwillen vorbildlich gelöst.
Auf seine Initiative und mit voller Unterstützung der Gemeinde durch Bürgermeister Rudolf Kores wurde das neue und moderne Rüsthaus in St. Andrä erbaut und zum 100-Jahr-Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr St. Andrä 1972 seiner Bestimmung übergeben.

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Mit dem neuen Rüsthaus schuf die Feuerwehr die Voraussetzung für eine künftige Stützpunktfeuerwehr.

Durch die Gemeindezusammenlegung im Jahre 1973 ist auch ein strukturelles Um- denken in Feuerwehrbelangen eingetreten: Der Bezirk Wolfsberg wurde in die Ab- schnitte Oberes Lavanttal, Abschnitt Mitte und Unteres Lavanttal eingeteilt.

Zur Großgemeinde St. Andrä gehören nunmehr 9 Feuerwehren. Durch seine Energie und sein Bestreben, die Feuerwehren besser auszubilden und zu schlagkräftigen Einsatzgruppen zu machen, wählten die 8 Feu- erwehren der Großgemeinde St. Andrä Anton Meyer zu ihrem Gemeindefeuerwehrkommandanten.
Alle Feuerwehrhäuser der Großgemeinde wurden renoviert und ausgebaut bzw. wurden für alle Feuer- wehren neue Einsatzfahrzeuge sowie Geräte und Maschinen angeschafft. Seine Einsatzfreude und seine organisatorischen Fähigkeiten führten zur Berufung als Abschnittsfeuerwehrkommandant des Abschnittes Unteres Lavanttal, und viele Ehrungen und Auszeichnungen des KLFV und der Stadtgemeinde St. Andrä wurden ihm für seine Arbeit zuteil.

Die Freiwillige Feuerwehr St. Andrä rüstete in den folgenden Jahren gewaltig auf. 1974 konnten der TLF 4000 Steyr Allrad und ein VW Variant als Kommando- und Vorausfahrzeug angekauft werden, 1976 der Mercedes Unimog mit aufgebauter Seilwinde und Schneepflug, 1982 das komplett ausgestattete tunnel- taugliche Mehrzweckfahrzeug Mercedes 308 und das geländegängige Kommandofahrzeug der Type Lada Taiga, das den VW Variant ersetzte, 1989 ergänzte ein Puch G als Vorausfahrzeug, ausgerüstet mit Notstrom- aggregat und Erste Hilfe den Fahrzeugpark.

Zum Ausrüstungsstand gehören weiters: Notstromaggregate mit Zubehör, Beleuchtungsgeräte, Berge- schere und Hydraulikpumpe, Spreizer, Atemschutzgeräte mit Reserveflaschen, eine Atemluftfüllstation, Schlammpumpen und Unterwasserpumpen, tragbare Motorpumpen, Chemie- und Hitzeschutzanzüge, ein Heuwehrgerät, eine Ölsperre mit Auffangbehälter, Greifzüge, Bergegeräte und ausreichendes Schlauch- material.

Im Jahre 1989 wurde die Landes-Alarm- und Warnzentrale (LAWZ) mit dem Sitz in Klagenfurt in Betrieb ge- nommen. Jeder erfolgte Notruf unter der Nummer 122 wird von der Post direkt an die Zentrale weitergeleitet, überprüft und ausgewertet. Damit begann eine völlig neue Ära der Alarmierung. Vier Jahre später wurde in St. Andrä eine funkgesteuerte, von Strom unabhängige elektronische Sirene (SISIPAK) errichtet.

Für all diese Anschaffungen hat sich ABI Anton Meyer bleibende Verdienste und die Dankbarkeit der Freiwilligen Feuerwehr St. Andrä erworben.

schuetzbBei der im Jahre 1991 stattgefundenen Kommandantenwahl wurde Bernhard Schütz zum Orts- und Gemeindefeuerwehrkommandant gewählt, und Ende 1993 wird er auch Abschnittsfeuerwehrkommandant des Abschnittes Unteres Lavanttal. Zuvor im Jahre 2002 wurde er zum Bezirksfeuerwehrkommandant bestellt.

In seine Amtsperiode fällt die Anschaffung des tunneltauglichen Tankwagens TLF 3000 Steyr, im Jahre 1992 eines KRF Mazda 2500 Pick Up und eines TLF 4000 Steyr im Jahre 2000. Saniert wurde das Rüsthaus 2001 mit Vollwärmeschutz und neuem Anstrich. Auch eine Vorplatzasphaltierung wurde vorgenommen. Zahlreiche modernste Gerätschaften wurden angeschafft, die die Feuerwehr St. Andrä als eine der schlagkräftigsten Feuerwehren auszeichnen.

Wegen großen Wassermangels bei verschiedenen Bauernhöfen beförderten unsere Tankwagenfahrer 1 329 000 l Wasser. In diesem Jahr erfolgte die Freigabe der Handyalarmierung für jeden einzelnen
Feuerwehrkameraden, um noch schneller Erste Hilfe leisten zu können. Eine Veranstaltung im Jahre 2003 unter dem Titel „Schutz und Hilfe – Unser Heer“ aus Anlass der Bundesheerangelobung in St. Andrä gab uns Einblicke in das Heereswesen. Ende November 2003 erhielt die Feuerwehr das neue Einsatzfahrzeug KRF-W Tunnel Mercedes Sprinter mit einer Sonderausstattung wie Wärmebild- kamera und Monitoren im Fahrzeuginneren, ein Thermometer und Hotspotter. Im Rahmen der 132. Jahreshauptversammlung der Feuerwehr St. Andrä am 27. März2004 legte Kommandant Bernhard Schütz seine Funktion als Kommandant der Feuerwehr St. Andrä auf Grund seiner Tätigkeit als antonmeyer1Bezirksfeuerwehrkommandant zurück. Bei der darauf erfolgten Neuwahl wurde Anton Meyer zum neuen Kommandant und Wolfgang Kobold zum Kommandantstellvertreter gewählt. Mit Meyer und Kobold wurden zwei junge dynamische und bestens ausgebildete Feuerwehrkameraden mit der Führung der Freiwilligen Feuerwehr St. Andrä zum Wohle der Bevölkerung betraut.

Ein Umbau war im Rüsthaus 2006 fällig geworden: Neugestaltung der Funkzentrale, Anbau eines Büro- raumes, Adaptierung im Keller. Das Vorhaus, der Umkleideraum und der Keller wurden ausgemalt. Dank der Initiative und des Engagements von BFK Bernhard Schütz wurden am 14. September 2006, zu- gleich mit der Eröffnung des „Hauses der Sicherheit“, die Autoschlüssel für das neue Katastrophen- fahrzeug MZF-A von Landesfeuerwehrkommandant Josef Meschik, in Anwesenheit von LH Dr. Jörg Haider, BFK Bernhard Schütz und einiger Politiker, an unseren BGM Nat.R.Abg. Peter Stauber und in weiterer Folge an unseren Kommandant Anton Meyer übergeben.

Nach umfangreichen Planungen und Verhandlungen mit der Gemeinde und dem Land Kärnten erfolgte am 30. April 2007 die Spatenstichfeier für die Rüsthauserweiterung, an der sich BFK B. Schütz, GFK A. Meyer, LR Rohr, BGM NRAbg. Peter Stauber, die LAbg. Chr. Ragger und H. Trettenbrein sowie die Stadträte F. Baumann und H. Schlatte beteiligten.

Bei der 1. Florianiübung am 3. Mai 2008 waren alle 9 Gemeindefeuerwehren und die Feuerwehr Wolfsberg mit der Gelenkbühne einbezogen. Die Übung wurde in vier Szenarien abgewickelt.
Die Einweihung des Rüsthauszubaues mit Katastrophenschutzlager und Standplatz für das Katastrophenfahrzeug MZF-A für die Bezirke Wolfsberg und Völkermarkt fand am 29. Juni 2008 statt.

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Im Jahre 2009 bekam das Rüsthaus eine neue Eingangstür und die Eingangshalle wurde neu gestaltet. Ein

weiterer Umbau erfolgte 2010 im Kellerraum, wo ein Durchbruch auf der Südseite und eine Terrasse errich- H tet wurden.In diesem Jahr gab es die zweite große Florianiübung mit allen neun Gemeindefeuerwehren. R Die Freiwillige Feuerwehr St. Andrä erlebte das Jahr 2011 als das Jahr der Wespen und Hornissen mit vielen Einsätzen und Hilfeleistungen. Eine Spitzenleistung legte unsere junge Bewerbsgruppe unter GK Anton Meyer jun. hin. Sie wurde Bezirksmeister 2011 im Bewerb Bronze A und 2012 zweifacher Bezirksmeister.

Anlässlich des 140-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr wurde der Schulungsraum völlig neu gestaltet, die Außenfassade neu gestrichen, der heilige Florian am Schlauchturm restauriert und der Boden I der Fahrzeughalle erneuert.

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Ein besonderes Dankeschön an unseren Chronisten Edi, er hat in fünfjähriger Arbeit die Geschichte der Feuerwehr St. Andrä vom Jahre 1872 bis heute aufgearbeitet und in einer Chronik festgehalten. Gemeinsam mit dem langjährigen Kameradschaftsführer Herbert Schütz, der über 50 Jahre lang Fotos sammelte, Protokolle und Schriftstücke aufbewahrte, ist es gelungen, 140 Jahre Feuerwehrgeschichte für die Nachwelt zu konservieren.

Die Kommandantschaft